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Pfarrer i. R. Armin Rudi Kitzmann, Ehrendoktor der Evangelisch-Theologischen Fa­kul­tät, verstorben

30.01.2026

Die Evangelisch-Theologische Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München trauert um ihren Ehrendoktor Pfarrer i. R. Armin Rudi Kitzmann. Der vormalige evan­gelische Schulpfarrer wurde am 24. Juli 1938 in Alexandrow (heutiges Polen) geboren und starb 87jährig in München am 27. Januar 2026. Im Jahre 2021 wurde Armin Rudi Kitz­mann die Ehren­doktorwürde unserer Fakultät verliehen. Der Münchner Stadtprote­stan­tismus und die Theologie verlieren mit ihm einen außergewöhnlich en­gagierten Pu­bli­zi­sten und eine historisch prägende Kraft der Münchner Stadt­kirchengemeinde.

Neben dem in München wahrgenommenen Schulpfarramt war Armin Rudi Kitzmann ein äußerst engagierter Publizist, dessen thematischer Schwerpunkt in einer drei jahr­zehn­telangen Tätigkeit die Geschichte des Münchner Protestantismus war. Besondere Ver­dienste hat er sich mit seinem Buchprojekt „Mit Kreuz und Hakenkreuz“ (1999) er­worben, in dem er die Geschichte des Protestantismus in München während der Wei­ma­rer Re­publik und in der NS-Zeit quellengestützt und präzis offen legte. Sein jüngstes Buch „Wagnis Widerstand“ (2016) bietet eindrucksvoll ganz im Sinne der mo­dernen Wider­standsforschung tiefe Einblicke in die christlichen Beweggründe für ein couragiertes Verhalten im NS-Staat.

Armin Rudi Kitzmann hat sich dabei als wirkungsvoller öffentlicher Vermittler seiner historischen Ergebnisse erwiesen. Profiliert und pointiert hat er sich als Publizist auf historische Themen eingelassen – auch wenn sie strittig waren – und diese nachdrücklich im öffentlichen Raum vertreten.

Mit seinen kirchenhistorischen Monographien verband der Pfarrer im Schuldienst ein dezidiert geschichtsdidaktisches Interesse. Literarisch vor Augen gestellte Ge­schichtsbilder können zeigen, wie er es einmal formulierte, dass „Glaube nicht nur wie ein Erbe den Nachfahren in den Schoß fällt“, sondern „immer wieder neu ge­wonnen und erlebt werden muss“. Geschichte und Glaube hat er mit großem hand­werklich-hi­storio­gra­phischen Geschick und auf unvoreingenommene Weise zu­sammen­gedacht und damit ein beachtliches Lesepublikum in München, Bayern und darüber hinaus erreicht.

Nachhaltig konnte Armin Rudi Kitzmann das kirchenhistorische Bewusstsein „vor Ort“ prägen. In Zeiten mit herauf­ziehendem Antisemitismus und antidemokratischen Tendenzen war das eine besondere Leistung, wie die Fakultät seinerzeit im Kontext der Ver­leihung der Eh­ren­doktorwürde herausstellte. Er hat mit seinem publizistischen Engage­ment zur Kirchengeschichte der Landeshauptstadt einen be­mer­kenswerten Beitrag zur Stärkung einer historisch fundierten Identität in der Münchner Stadtprotestantismus ge­leistet.

Die Evangelisch-Theologische Fakultät wird in großer Dankbarkeit sein Andenken in Ehren halten.

Prof. Dr. Harry Oelke im Namen der Evangelisch-Theologischen Fakultät