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Entdeckung einer byzantinischen Purpurhandschrift

13.03.2026

Der Kirchenhistoriker Prof. Dr. Martin Wallraff hat im Athoskloster Vatopedi ein bisher unbekanntes Fragment einer kostbaren Purpurhandschrift aus dem 10. Jahrhundert studiert.

Fragment Purpurhandschrift

© Martin Wallraff

Es handelt sich um zwei Blätter, die in Wirklichkeit aus vier Blättern zusammengeklebt sind. Sie enthalten ein Stück der Kanontafeln des Euseb, also einer Evangeliensynopse aus dem vierten Jahrhundert. Diese Tafeln wurden oft künstlerisch sehr wertvoll ausgeschmückt, so auch hier. Die Schrift und die Dekoration sind in Gold auf das Purpurpergament aufgebracht, und die schematische Architekturdarstellung (Kanonbögen) ist mehrfarbig geschmückt. Die Qualität des Zahlenwerks wie der Buchmalerei verweist auf Konstantinopel als wahrscheinlichen Entstehungsort. Es handelt sich um den einzigen erhaltenen Fall von Kanontafeln auf Purpur und überhaupt eine der ganz wenigen griechischen Purpurhandschriften aus mittelbyzantinischer Zeit.

Das Fragment befindet sich heute in der Schatzkammer des Klosters, nicht in der Bibliothek. Daher ist es bisher der Aufmerksamkeit der Gelehrten entgangen. Bis vor einigen Jahren waren die beiden Blätter in ein altes gedrucktes Buch eingebunden und haben dort über die Jahrhunderte überlebt.

Der Aufsatz, mit dem Prof. Wallraff auf dieses Fragment aufmerksam macht und es erschließt, ist soeben in der Zeitschrift für Antikes Christentum erschienen.