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Augenblick mal! im Januar

14.01.2026

"Devotionale Fitness als Neujahrsvorsatz?" von Benedikt Bauer

Die Weihnachtszeit, in der die dunklen Tage mit Plätzchen und ausgiebigen Festtagsessen versüßt werden, ist nun um; den zusätzlichen Pfunden, die so manche – natürlich nur als Speicher für den langen Winterschlaf – am Jahresende mit sich tragen, wird regelmäßig als Neujahrsvorsatz der Kampf angesagt. Ob es die neue Fitnessstudiomitgliedschaft oder die neueste Trenddiät ist: Viele Menschen versuchen den kalendarischen Jahresbeginn zur Modifikation im Sinne der normschönen körperlichen Selbstoptimierung zu nutzen – ganz im Gegensatz zu jeglicher body positivity. Dass solche Versuche bisweilen religiöse Züge annehmen können, ließe sich aus einer religionswissenschaftlichen Perspektive durchaus diskutieren. Dass jedoch die körperliche Selbstoptimierung und die Beteiligung des Körpers in privater Frömmigkeit oder institutionalisiertem Ritual per se ein Thema von Religion sein können, wird nicht nur in monastischer Askese oder religiösen Fastenbräuchen u.ä. ersichtlich.

In der Zeitgeschichte und Gegenwart des primär US-amerikanisch-evangelikalen Christ_innentums liegt so ein Phänomen in der sog. „devotionalen Fitness vor“. Devotionale Fitness bezeichnet die Verbindung von christlicher Frömmigkeit mit Diät-, Fitness- und Lebensstilprogrammen, in denen körperliche Selbstoptimierung als spirituelle Praxis verstanden wird. Sie beruht auf der Vorstellung, dass G*tt direkte Anweisungen für Ernährung, Bewegung und Lebensführung gibt und dass Gehorsam gegenüber diesen Impulsen zu körperlicher Veränderung, innerer Reinigung und spiritueller Erneuerung führt.

Zur Kolumne "Devotionale Fitness als Neujahrsvorsatz?"

Augenblick mal! Religion entdecken. eine Kolumne des Lehrstuhls für Religionswissenschaft und Religionsgeschichte